Lineage 2 ist ein südkoreanisches Fantasy-MMORPG, das 2004 in Nordamerika und Europa erschien und bis heute in mehreren Fassungen läuft. Der Reiz liegt in der langwierigen Charakterentwicklung, der Zusammenarbeit in Gruppen und Clans und dem Wettbewerb um Jagdgebiete und Burgen.
Wer heute einsteigt, findet verschiedene Versionen vor: das Original von 2004, den nordamerikanischen Classic-Server von 2018 und spätere Spielvarianten. Weil sich Regeln und Zahlen je nach Fassung unterscheiden, ist es sinnvoll, die Versionen getrennt zu betrachten.
Fünf Völker mit eigenen Rollen
In der frühen nordamerikanischen Fassung von 2004 gab es fünf spielbare Völker: Menschen, Elfen, Dunkelelfen, Orks und Zwerge. Besonders die Zwerge konnten als einziges Volk Gegenstände herstellen und hatten dadurch eine besondere wirtschaftliche Rolle. Diese Angabe gilt nur für die damalige Version, nicht für jede spätere Fassung. Auch die Classic-Patchnotes vom Oktober 2018 nennen wieder die fünf ursprünglichen Völker, was zeigt, dass der Classic-Server bewusst an die Anfänge anknüpfte.
Die Völker prägten vor allem den Einstieg. Ein Elf startete anders als ein Ork, und die Wahl des Volkes bestimmte, welche Klassenpfade überhaupt offen standen. Für die Spielpraxis bedeutete das: Wenn Sie mit einem Zwerg begannen, hatten Sie andere Möglichkeiten und andere Schwächen als ein menschlicher Kämpfer. Die genaue Balance zwischen den Völkern ist in keiner der Quellen belastbar dokumentiert, daher sollten Sie Aussagen wie "Volk X ist im PvP überlegen" mit Vorsicht behandeln.
Klassenwechsel auf Stufe 20 und 40
Das Klassensystem von Lineage 2 beginnt vergleichsweise offen und wird durch spätere Klassenwechsel immer spezialisierter. Ein Elfenkämpfer konnte in der frühen Fassung auf Stufe 20 zwischen Elfenritter und Elfenkundschafter wählen. Der Elfenritter wiederum entwickelte sich auf Stufe 40 weiter zum Temple Knight oder zum Sword Singer. Bei allen Völkern galt dasselbe: Der erste Klassenwechsel auf Stufe 20 legte die grobe Richtung fest, der zweite auf Stufe 40 die konkrete Spezialisierung.
Für den Classic-Server von 2018 nannte der Hersteller NCsoft insgesamt 31 Klassen bei fünf Völkern. Der zweite Klassenwechsel lag auch dort auf Stufe 40, ein dritter Wechsel war zu diesem Zeitpunkt für ein späteres Update vorgesehen. Das Subklassen-System, mit dem Charaktere später eine zweite Klasse erlernen konnten, existierte auf diesem Classic-Server nicht. Wenn Sie sich also über Klassen informieren, sollten Sie immer prüfen, auf welche Version sich die Angaben beziehen.
PvP zwischen Duell und Burgkrieg
PvP ist ein fester Bestandteil von Lineage 2, aber es gibt verschiedene Formen. In der frühen Fassung gab es ein Karma-System: Wer andere Spieler wiederholt unerwartet angriff, konnte zum Geächteten werden und musste mit Gegenangriffen rechnen. Der Rezensent von GameSpot erwähnte 2004 auch das Risiko, beim Tod Gegenstände zu verlieren. Diese Regeln galten für die damalige nordamerikanische Version, spätere Server konnten anders funktionieren.
Die großen organisierten Konflikte fanden bei Burgbelagerungen statt. Eine Vorschau vom April 2004 beschrieb Burgen als politisches und wirtschaftliches Ziel von Clans: Der Besitz sollte immer wieder durch Belagerungen angefochten werden, und Clans konnten Verbündete hinzuziehen. Die Vorschau stellte Schlachten mit mehreren Hundert Teilnehmenden in Aussicht, wobei diese Zahl eine Prognose war und keine gemessene Durchschnittsgröße. Interessant ist der zeitliche Ablauf: Die Vorschau kündigte das Belagerungssystem als wichtiges Element an, die Kritik vom Juni 2004 stellte jedoch fest, dass es in der getesteten Version noch nicht implementiert war.
Für den Classic-Server gibt es konkretere Angaben. Die offizielle Mitteilung zur Gludio-Belagerung beschreibt einen zweistündigen Kampf und nennt die Vorteile des Burgbesitzes: Steuereinnahmen und besondere Burgdienste. Das zeigt, wie PvP in dieser Fassung an Clanorganisation und materielle Anreize gekoppelt war. Eine andere PvP-Form bot die Grand Olympiad, ein Wettbewerbsformat mit monatlicher Saison, das in der beschriebenen Classic-Fassung ab Stufe 55 nach dem zweiten Klassenwechsel zugänglich war. Wenn Sie also PvP suchten, konnten Sie zwischen offenem Konflikt, organisierter Belagerung und geregeltem Wettkampf wählen.
Langzeitmotivation in Lineage 2
Die Langzeitmotivation von Lineage 2 beruht auf mehreren Spielschleifen, die ineinandergreifen. Die Charakterentwicklung mit Klassenwechseln auf Stufe 20 und 40 gibt Zwischenziele vor, die den langen Weg bis zur Maximalstufe in Abschnitte teilen. Die Ausrüstung spielt eine zentrale Rolle: In der 2004er Kritik beschrieb der Rezensent, dass Ausrüstungskosten und das wiederholte Kämpfen gegen Monster den Spielfortschritt bestimmten. Gruppen halfen beim Erfahrungssammeln, aber das Verdienen von Geld blieb schwierig.
Die Zusammenarbeit mit anderen Spielern eröffnet Ziele, die über den eigenen Charakter hinausgehen. Clans und Bündnisse organisierten Belagerungen, verteidigten Burgen und verteilten die daraus entstehenden Einnahmen. Die Classic-Patchnotes von Oktober 2018 zeigen, dass Jagdgebiete und Raid-Inhalte bis Stufe 70 ausgelegt waren, Charaktere darüber hinaus aber mit deutlich höherer Schwierigkeit weiterentwickelt werden konnten. Der Weg endete also nicht zwingend mit diesem Stand.
Die GameSpot-Kritik von 2004 beschrieb lange, wiederholte Monsterkämpfe, repetitive Aufgaben und längere Erholungsphasen. Der Rezensent kam zu dem Schluss, dass das Spiel eher Spieler anspricht, die viel Zeit investieren können, als Personen mit kurzen Spielsitzungen. Diese Bewertung stammt aus der damaligen Fassung und ist keine neutrale Messung jeder späteren Ökonomie, aber sie benennt ein Muster, das viele Spieler bis heute bestätigen: Lineage 2 belohnt Ausdauer, verlangt sie aber auch.