Ein Dungeon ist ein abgeschlossener Bereich in einem Online-Rollenspiel, den eine kleine Gruppe gemeinsam betritt. Anders als die offene Spielwelt ist der Dungeon für jede Gruppe eine eigene Instanz. Andere Spieler können weder dazukommen noch stören. Eine typische Gruppe besteht aus fünf Spielern, die sich durch Gänge und Räume kämpft, Gegner und Bosse besiegt und am Ende Beute erhält.
Für Einsteiger sind Dungeons das wichtigste Gruppenangebot. Hier lernen Spieler Rollen, Mechaniken und Ausrüstung kennen.
Was einen Dungeon ausmacht
Ein Dungeon folgt einem festen Ablauf. Die Gruppe startet am Eingang, kämpft sich durch normale Gegner, die im Fachjargon Trash heißen, und trifft auf mehrere Bosse. Bosse sind besonders starke Gegner mit eigenen Fähigkeiten. Nach jedem Boss gibt es Beute, nach dem letzten Boss gilt der Dungeon als abgeschlossen. Ein Durchlauf dauert je nach Spiel, Schwierigkeit und Können der Gruppe unterschiedlich lange.
Der entscheidende Punkt ist die Abgrenzung von der offenen Welt. In der offenen Welt konkurrieren viele Spieler um dieselben Gegner und Ressourcen. Im Dungeon hat die Gruppe den Bereich für sich. Dadurch können die Entwickler die Schwierigkeit genau auf die Gruppengröße zuschneiden. Sie können Abläufe entwerfen, die in der offenen Welt nicht funktionieren würden, etwa Türen, die erst nach einem Bosskampf aufgehen, oder Räume, die sich hinter der Gruppe schließen.
In World of Warcraft, dem bekanntesten Vertreter des Genres, sind Dungeons für fünf Spieler ausgelegt. Daneben gibt es Schlachtzüge für größere Gruppen, die nach ähnlichen Prinzipien funktionieren, aber mehr Teilnehmer und längere Sitzungen verlangen.
Die klassische Rollenverteilung
In fast jedem Dungeon übernehmen die fünf Spieler feste Rollen:
- Der Tank zieht die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich und hält den Schaden von der Gruppe fern.
- Der Heiler hält die Lebenspunkte aller Spieler oben.
- Die DpS-Spieler teilen Schaden aus und besiegen Gegner. DpS steht für Damage per Second, also Schaden pro Sekunde.
Diese Aufteilung hat einen Grund. Ein Tank allein überlebt die Gegner nicht lange genug, ein Heiler ohne Tank wird von den Gegnern überrannt, und DpS-Spieler ohne Schutz sterben bei stärkeren Gegnern schnell. Erst das Zusammenspiel der Rollen macht einen Dungeon machbar. Die Gruppenfindung in den meisten Spielen achtet deshalb darauf, dass jede Gruppe einen Tank, einen Heiler und genug DpS-Spieler enthält.
Die Rollenverteilung hat auch eine soziale Seite. Tank und Heiler tragen mehr Verantwortung als die DpS-Spieler, weil ein Fehler von ihnen schneller das ganze Team scheitern lässt. Deshalb sind Tanks und Heiler in der Gruppenfindung oft gefragter. Erfahrene Spieler übernehmen diese Rollen erst, wenn sie die Abläufe eines Dungeons kennen.
Warum Mechaniken zählen
Bosse in Dungeons folgen festen Mustern, die die Gruppe kennen und beantworten muss. Solche Muster heißen Mechaniken. Ein Boss wirkt zum Beispiel eine Flächenattacke, der die Spieler ausweichen müssen. Oder er beginnt einen Zauber, den ein Spieler unterbrechen muss, bevor er fertig wird. Manche Mechaniken verlangen, dass die Gruppe bestimmte Gegner zuerst angreift. Andere verlangen, dass sich die Spieler verteilt aufstellen, damit ein Angriff nicht alle gleichzeitig trifft.
Mechaniken machen aus einem einfachen Kampf gegen Gegner ein anspruchsvolles Gruppenspiel. Wenn Sie die Mechaniken eines Bosses kennen, überstehen Sie den Kampf mit wenig Schaden. Wenn Sie sie ignorieren, stirbt Ihr Charakter, und der Gruppe fehlt ein Spieler. In höheren Schwierigkeitsgraden führt ein einziger Fehler oft zum Scheitern des gesamten Durchlaufs.
Die Entwickler von World of Warcraft haben für die Erweiterung Midnight angekündigt, dass der höchste Dungeon- und Schlachtzugs-Schwierigkeitsgrad ohne Addons bewältigbar sein soll. Addons sind Zusatzprogramme, die bisher Ansagen und Warnungen zu Mechaniken anzeigen. Das Ziel ist, dass die Spieler die Mechaniken direkt im Spiel erkennen können, ohne auf solche Programme angewiesen zu sein.
Warum Beute wichtig ist
Beute ist der Hauptgrund, einen Dungeon zu wiederholen. Jeder Boss lässt Gegenstände fallen, meist Ausrüstungsteile wie Rüstung, Waffen oder Schmuck. Diese Gegenstände machen Ihren Charakter stärker, weil sie die Werte erhöhen, die für die eigene Rolle zählen: mehr Rüstung für den Tank, mehr Zauberkraft für den Heiler, mehr Angriffswert für den DpS-Spieler.
Dungeons sind deshalb die verlässlichste Quelle für Ausrüstung im mittleren Spielverlauf. Anders als seltene Funde in der offenen Welt können Sie einen Dungeon beliebig oft wiederholen, um auf ein bestimmtes Teil zu hoffen. Jedes Spiel regelt die Verteilung der Beute über eigene Systeme. Häufig würfeln die Spieler um einen Gegenstand. Oder das Spiel vergibt jedem Teilnehmer persönliche Beute, die nur er sehen kann.
Die Ausrüstung aus Dungeons hat einen doppelten Zweck. Sie macht Ihren Charakter stärker für die nächste Stufe an Inhalten und ist oft die Voraussetzung für größere Herausforderungen wie Schlachtzüge. Wer einen Dungeon auf hoher Schwierigkeit schaffen will, braucht zuerst die Beute aus den niedrigeren Stufen.
Vom normalen bis zum mythischen Dungeon
Die meisten Spiele bieten Dungeons in mehreren Schwierigkeitsgraden an. In World of Warcraft heißen die Stufen normal, heroisch und mythisch. Jede Stufe erhöht die Stärke der Gegner und verbessert die Beute. Dadurch bleibt ein Dungeon auch dann interessant, wenn Sie ihn auf der niedrigsten Stufe längst durchgespielt haben.
Die anspruchsvollste Form in World of Warcraft sind die Schlüsselstein-Dungeons, auch Mythisch-Plus genannt. Hier läuft eine Zeit, und die Gruppe muss den Dungeon innerhalb dieser Zeit abschließen. Je schneller die Gruppe ist, desto höher steigt der Schlüsselstein. Der nächste Versuch wird dadurch schwerer. Zusätzlich kommen mit steigender Stufe besondere Effekte hinzu, die den Durchlauf erschweren.
Die Spanne zwischen Einstieg und Spitze ist groß. In der Erweiterung Midnight von World of Warcraft war die Schlüsselsteinstufe +10 bereits in der ersten Woche der Saison erreichbar. Auch Gelegenheitsspieler schafften in den Folgewochen höhere Stufen. Der aktuelle Weltrekord liegt bei Stufe +23. Dieser Stand verschiebt sich mit jeder Saison. Diese Zahlen zeigen, wie viel Übung und Abstimmung nötig sind, um die obersten Stufen zu meistern.
Wenn Gruppen das Schema durchbrechen
Die klassische Rollenverteilung ist eine Empfehlung. Erfahrene Gruppen können davon abweichen, wenn sie die Mechaniken genau kennen und ihre Ausrüstung stark genug ist. Ein viel geteilter Screenshot aus dem WoW-Forum zeigt eine Gruppe aus fünf Wächter-Druiden, also fünf Spielern derselben Klasse und Spezialisierung. Diese Gruppe hat den Dungeon Windlläuferturm auf Schlüsselsteinstufe +20 geschafft, ohne Heiler und ohne klassische DpS-Spieler. Der Screenshot ist nicht offiziell bestätigt, passt aber zu dem Muster, dass erfahrene Gruppen die Standardaufstellung aufbrechen.
Solche Konstellationen bleiben die Ausnahme. Sie funktionieren nur, weil die beteiligten Spieler die Fähigkeiten ihrer Klasse und die Abläufe des Dungeons perfekt beherrschen. Sie helfen sich gegenseitig mit Heilfähigkeiten und Schutzmechanismen. Für die meisten Gruppen bleibt die Standardaufstellung aus Tank, Heiler und DpS der verlässliche Weg. Sie verteilt die Verantwortung klar und setzt keine Spezialkenntnisse voraus.