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Tank, Heiler, DD: Die klassischen Rollen im MMO

In großen Online-Rollenspielen wie World of Warcraft, Final Fantasy XIV oder The Elder Scrolls Online teilen sich Gruppen aus fünf oder mehr Spielern in drei Rollen: Tank, Heiler und Schadensausteiler (DD oder DPS). Diese Heilige Dreifaltigkeit legt fest, wer Schaden einsteckt, wer die Gruppe heilt und wer Gegner besiegt. Dungeons und Raids sind auf dieses Zusammenspiel ausgelegt, und wer die Rollen kennt, findet sich in fast jedem MMO zurecht.

Die Aufgaben der drei Rollen

Der Tank zieht die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich und hält ihre Angriffe aus. Dafür hat er hohe Rüstung, viele Lebenspunkte und defensive Fähigkeiten, die eingehenden Schaden abmildern. Neben dem Aushalten muss er auch positionieren. Ein guter Tank dreht den Boss so, dass Flächenangriffe nicht die Gruppe treffen, und hält kleinere Gegner zusammen, damit die Schadensausteiler sie mit Flächenzaubern erwischen. Verliert der Tank die Kontrolle, greifen die Gegner die schwächeren Mitglieder der Gruppe an, und der Kampf kippt schnell.

Der Heiler hält die Lebenspunkte aller Gruppenmitglieder oben. Seine Arbeit beginnt mit dem Priorisieren: Wer blutet gerade, wer kann noch eine Sekunde warten, und wann kommt der nächste große Angriff des Bosses? Dazu muss er seine eigenen Ressourcen wie Mana oder Fokus im Blick behalten, denn ohne Vorrat kann er niemanden mehr retten. Gleichzeitig muss er selbst Angriffen ausweichen, denn fällt der Heiler aus, verliert die Gruppe meist innerhalb weniger Sekunden mehrere Mitglieder.

Die Schadensausteiler, kurz DD für Damage Dealer oder DPS für Damage per Second, teilen Schaden aus. In der Praxis übernehmen sie aber viele Nebenaufgaben, die der Tank nicht erledigen kann. Sie zerstören beschworene Adds, also zusätzliche kleine Gegner, und bedienen Mechaniken wie das Aktivieren von Schaltern. Dabei müssen sie trotzdem ihre Angriffsrotation durchziehen. Weil es in den meisten Spielen deutlich mehr DD-Klassen gibt als Tanks und Heiler, ist diese Rolle auch der übliche Einstieg für neue Spieler.

Warum die Rollenverteilung funktioniert

Die Dreifaltigkeit funktioniert, weil sie die Arbeit klar aufteilt. Jeder Spieler weiß, was von ihm erwartet wird, und muss nicht raten, wer welche Aufgabe übernimmt. Die Dungeon-Designer bauen ihre Inhalte genau auf diese Aufteilung. Bosse greifen den Tank an, verlangen dem Heiler Heilungsleistung ab und zwingen die DD, bestimmte Mechaniken zu erledigen. Dadurch fühlen sich Kämpfe wie ein gemeinsames Puzzle an, bei dem jede Rolle ihren festen Platz hat.

Diese Struktur macht das Spiel auch wiederspielbar. Wer eine Instanz als Tank durchgespielt hat, erlebt sie als Schadensausteiler noch einmal völlig neu, weil sich die Perspektive und die Anforderungen ändern. Ein Tank muss wissen, wann der Boss einen Flächenangriff startet, ein DD, wann er weglaufen oder ein Add zerstören muss. Derselbe Kampf stellt also je nach Rolle andere Fragen, und genau das hält viele Spieler über Jahre bei einem Spiel.

Das Zusammenspiel hängt am sogenannten Bedrohungsmanagement. Der Tank erzeugt durch seine Fähigkeiten Bedrohung, also eine Art unsichtbaren Aggro-Wert, der bestimmt, welchen Spieler ein Gegner angreift. Solange der Tank die meiste Bedrohung hält, bleiben die Gegner bei ihm. Wenn ein DD zu früh zu viel Schaden austeilt oder der Heiler zu kräftig heilt, kann die Bedrohung kippen, und der Gegner wechselt das Ziel. Erfahrene Gruppen setzen ihre Fähigkeiten ein und beobachten gleichzeitig, wohin die Gegner schauen.

Grenzen der Dreifaltigkeit

Die klare Rollentrennung hat auch Nachteile, vor allem außerhalb der Gruppeninhalte. Tanks und Heiler sind für das Solo-Spiel oft schlecht geeignet, weil ihre Fähigkeiten auf die Gruppe ausgelegt sind. Ein Heiler kämpft sich durch normale Gegner langsam voran, weil seine Angriffe wenig Schaden anrichten. Ein Tank braucht lange, um einen einzelnen Gegner zu besiegen, auch wenn er dabei kaum Schaden nimmt. Viele Spiele gleichen das mit speziellen Solo-Spezialisierungen aus, aber nicht überall funktioniert dieser Ausgleich gleich gut.

Im Spieler-gegen-Spieler-Bereich, kurz PvP, verliert der Tank einen Teil seiner Stärke. Kluge Gegner laufen einfach an ihm vorbei und greifen den Heiler oder die schwächeren DD an, weil der Tank sie nicht zwingen kann, ihn anzugreifen. Seine defensive Ausrüstung nützt dann wenig, wenn niemand auf ihn zielt. Ähnliches gilt für die Gruppensuche: Weil deutlich mehr Spieler als DD unterwegs sind, warten Schadensausteiler bei der automatischen Gruppensuche oft länger auf einen Platz. Tanks und Heiler finden dagegen fast sofort eine Gruppe.

Einige neuere Spiele lockern die strikte Trennung auf. Sie bieten flexible Klassen an, die je nach Situation mehrere Rollen übernehmen können. In Final Fantasy XIV kann eine einzelne Klasse zwischen verschiedenen Aufgaben wechseln, und in The Elder Scrolls Online hängt die Rolle weniger von der Klasse als von der Ausrüstung und den gewählten Fähigkeiten ab. Die Grundidee bleibt aber bestehen: Eine Gruppe braucht jemanden, der Schaden einsteckt, jemanden, der heilt, und genug Leute, die den Schaden austeilen.